ProWein relevant

Ein Anlass zum Pairing Award

23. März 2026
Von: André Uhlig ⁄ Wassersommelier

Die ProWein verändert ihr Format. Eine Trinkpraxis am Stand bleibt: Zwischen den Proben wird wenig bis gar kein Wasser getrunken. Das beobachte ich seit Jahren, auch bei meinem diesjährigen Besuch. Liegt diese Zurückhaltung womöglich daran, dass Wasser die Wahrnehmung des Weins stärker prägt, als gemeinhin angenommen?

In Düsseldorf traf ich Sommeliermeister Patrick Nitsche von der Weinkulturbar Dresden. Als einer von zehn Juroren des Wein & Wasser Pairing Awards sprach er über zwei zentrale Fragen des Formats: Warum nur ein Wein? Und was zeichnete jedes Wasser im Pairing aus?

Lange ging ich davon aus, dass es Mineralwässer gibt, die den Gaumen mit ein, zwei Schlucken neutralisieren, also ideal für den „Gaumenreset“. Bei unzähligen Verkostungen zeigte sich jedoch: Egal welches Wasser vor dem Wein getrunken wurde, es beeinflusste die Wahrnehmung des Weins.

Ein Award, der keine Verlierer kennt.

Patrick Nitsche | Weinkulturbar Dresden

Die Hauptwirkung des Wassers, also das Lösen und Wegspülen vorangegangener Geschmackskomponenten, kann so stark im Vordergrund stehen, dass andere Anteile seines Wirkspektrums überblendet werden. So entsteht eine gustatorische Fallhöhe, die den Mundraum zunächst neutraler erscheinen lässt. Weitere Eigenschaften des Wassers geraten dabei subtil aus dem Fokus, prägen aber die nachfolgende Wahrnehmung des Weins.

Etliche solcher Beobachtungen führten schließlich zum deskriptiven Sensorikformat des Wein & Wasser Pairing Awards. Auf dieser Grundlage fand am 24. Januar 2026 in Nordheim die Premiere als Blindverkostung mit einer internationalen Jury statt.

Warum nur ein Wein?

Der Silvaner Grande trocken 2022 von Manfred Rothe war die sensorische Referenz. Der Weineindruck nach ein bis zwei Schlucken Mineralwasser wurde als Pairing-Moment definiert. Je nach Mineralwasser wurde derselbe Wein gustatorisch und retronasal unterschiedlich wahrgenommen.

Zehn Einzelnachweise dokumentieren die jeweilige Wirkung und daraus abgeleitete Speiseempfehlungen. Jedes Mineralwasser bot dem Silvaner aus Alten Reben eine Bühne. Umgekehrt ermöglichte „der Franke“ jedem teilnehmenden Mineralbrunnen mit seinem Wasser einen eigenständigen Auftritt.

Was jedes Wasser im Pairing auszeichnete?

Die sensorische Variation desselben Weins durch unterschiedliche Mineralwässer bringt Winzer erfahrungsgemäß in eine Laborsituation. In ein, zwei Stunden lassen sich ohne großen Aufwand unterschiedliche stilistische Ausprägungen des Weins konkret durchspielen. Und das dürfte die Gastroszene nicht unberührt lassen, wenn sie es nicht längst für sich entdeckt hat.

Zur Einordnung: Die ProWein startete 1994 in Düsseldorf. Seit 2013 wuchs ihr internationales Messennetzwerk um Shanghai, Singapur, Hongkong, Mumbai, São Paulo und Tokio. Düsseldorf 2026: 31.000 Fachbesucher, 3.400 Aussteller. Für 2025 wurde der weltweite Weinumsatz auf rund 347 Milliarden US Dollar veranschlagt (Food & Hotel Asia).

Bildnachweise
Headermotiv, Weinflaschen: ProWein26_BS0397
Weinausschank Messestand: ProWein26_MT39606

„Im Pairing Stärken des Wassers sichtbar machen.“

„Jedes Jahr aus einem anderen Terroir: Mineralwasser zum Wein.“

„Sensorische Paare, die Impulse setzen.“

„Stärkt den bewussten Umgang mit Wein und Wasser.“